(Eine Initiative der Fachgruppe Radioaktivität)
U. Bolle, H. Görlich, U. Jentzsch
CASTOR-Strahlung am StrassenrandAuch 2003 konnte die Strassenüberwachungsanlage der Fachgruppe Radioaktivität die Strah-lung des vorbeifahrenden CASTOR-Konvois erfassen. Mit der Anlage kann nur der geringste Anteil, die Gamma-Strahlung, an der Gesamtstrahlung erfasst werden. Die Neutronenstrah-lung, der gössere Anteil der CASTOR-Strahlung, lässt sich aus den offiziellen, veröffentlich-ten früheren Messungen des BfS jedoch abschätzen. Der Detektor, ein empfindlicher Geiger-Müller Zähler, war ca. vier Meter vom Strassenrand entfernt aufgestellt. Alle drei Sekunden wird rund um die Uhr die Strahlenintensität der Gamma-Strahlung automatisch registriert. Das Messergebnis, das der am 12.11.03 vorbeifahrende CASTOR-Konvoi erzeugte, ist in Abbildung 1. wiedergegeben. CASTOR-Transport 2003
Abb. 1. Wie die registrierten Strahlungsintensitäten der einzelnen Behälter zeigen, fahren jeweils zwei Transporter im kurzen Abstand von einander. Die Strahlenfelder überlappen sich. Ferner ist zu erkennen, dass sich die Strahlenintensität der einzelnen Behälter bis zum Faktor 2 unterscheiden können. Dieses Ergebnis ist nicht überraschend. Die Menge der in den Glaskokillen eingeschlossenen Radioaktivität wird bestimmt vom Abbrand der Brennelemen-te im Reaktor und der Zeit der Lagerung bis zur Verarbeitung in der Wiederaufarbeitungsan-lage. Die Menge der Radioaktivität bestimmt die Strahlenintensität der den Behälter durch-dringenden Strahlung. Vergleicht man die Gamma-Strahlung des neunten Behälters (stärkste Intensität) mit der na-türlichen Umgebungsstrahlung, so ergibt sich ein um den Faktor 35 höherer Wert. Früherer Messungen des BfS weisen aus, dass die Gammastrahlung nur einen Anteil von ca. 20% an der Gesamtstrahlung ausmacht. Daraus errechnet sich ein Faktor von 170 im Vergleich zur Umgebungsstrahlung. Die offiziellen Messungen legen ein Gefährdungspotential für Neutro-nen-Strahlung entsprechend den Empfehlungen der Internationalen Strahlenschutz-Kommission zugrunde. Dieses widerspricht gesicherten, internationalen Erkenntnissen der Strahlenbiologen (ICRU). Demnach ist das Gefährdungspotential mindestens um den Faktor 2,5 höher als offiziell angenommen. Berücksichtigt man diesen Zusammenhang, so ist die Strahlenintensität des betrachteten CASTOR-Behälters ca. 370 mal höher als die der Umge-bungsstrahlung in der Entfernung der Messstelle vom CASTOR. Wie aus Abbildung 1. ersichtlich, benötigte der Konvoi fünf Minuten, um die Messstelle zu passieren. Mittelt man die Dosisleistung der CASTOR-Strahlung über ein Jahr, dann ist sie im Vergleich zur nahezu konstanten Dosisleistung der natürlichen Strahlung vernachlässigbar gering. Diese Art der Mittelung ist der übliche Trick, mit dem man Strahlenbelastungen ver-harmlost. Denn die Mittelung über ein Jahr ist für Teilung einer befruchteten Eizelle und die Entwicklung eines Embryos völlig unangemessen . Bei den gemessenen Dosisleistungen ist zumindest (potentielle) Schwangeren zu raten, von CASTOR-Behältern möglichst grossen Abstand zu wahren. Und Selbst in einem Abstand von ca. 40 Metern von der Strasse wird die Gammastrahlung des Konvois eindeutig registriert, wie Abbildung 2. zeigt. Die Anlage ist zur Messung des Strahlenklimas installiert worden. Der Detektor ist für die gerichtete CASTOR-Strahlung nicht optimal ausgerichtet und erfasst somit nur einen Bruchteil. CASTOR-Transport 2003
Abb. 2. Strahlungssignal des CASTOR-Konvois an einer Umgebungsüberwachungsanlage.
|
Bearbeitet am: 23.11.2003/ad
zurück zur Homepage