Heilbronner Stimme
vom 12.11.2003
Von Petra Halamoda
| Der Atommüll-Transport hatte in der Nacht von Montag auf Dienstag einen
unfreiwilligen Stopp zwischen Möckmühl-Züttlingen und dem Neudenauer Ortsteil
Siglingen. Rund zwei Stunden dauerte es, bis der Bundesgrenzschutz zwei Männer befreit
hatte, die sich aus Protest auf den Gleisen angekettet hatten. Hätten nicht zwei über die Schienen gelegte Transparente mit der Aufschrift "Stopp Castor" den Zug behindert, der aus der französischen Aufarbeitungsanlage La Hague ins Zwischenlager nach Gorleben in Niedersachsen unterwegs war, die 28- und 19-jährigen Männer wären womöglich gar nicht auf den Gleisen entdeckt worden. "Je nach Beschaffenheit der Strecke fährt der Zug zwischen 70 und 90 Stundenkilometern", sagt Hauptkommissar Harald Trautmann vom Bundesgrenzschutz in Stuttgart. "Wegen der Transparente und eines Warndreiecks war er dort im dichten Waldstück aus Vorsicht im Schritttempo unterwegs." Die beiden " bekannten Castor-Aktivisten" (Trautmann) hatten zwei Metallrohre ineinandergeschoben, unter die Gleise gelegt, je einen Arm hindurchgesteckt und sich so angekettet, dass sie sich nicht mehr selbst hätten befreien können. Mehrere Beamten waren damit beschäftigt, die Männer freizuschneiden. Gegen die beiden Aktivisten ermittelt nun die Staatsanwaltschaft wegen Nötigung. "Der Strafrahmen liegt hier bei bis zu drei Jahren oder einer Geldbuße", sagt Staatsanwältin Michaela Halter. " Möglicherweise wird auch wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt - das würde bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldbuße bedeuten." Zehn weitere junge Leute nahm die Polizei in Gewahrsam, einige davon am Bahnhof Siglingen. Dort mussten sie im Freien so lange warten, bis der Transport weit genug Richtung Würzburg entfernt war, dass sie ihn mit dem Auto nicht mehr einholen konnten. " Wenn wir nicht demonstrieren, verzögert sich der Ausstieg aus der Atomenergie ", sagte einer der Castorgegner. Weil die Strecke von Friedrichshall-Jagstfeld nach Osterburken in beide Richtungen von 20.30 bis 23.30 Uhr gesperrt war, kam es bei sechs Regional- und elf Güterzügen zu massiven Verspätungen. "Reisende gelangten mit Taxigutscheinen der Bahn zu ihren Zielen", so Roland Kortz, Pressesprecher der Deutschen Bahn. |
Bearbeitet am: 14.11.2003/ad