STATT FESTE ABSCHALTTERMINE ZU
SETZEN, HAT ROT-GRÜN DEN REAKTOREN RESTSTROMMENGEN ZUGESTANDEN. UND ZWAR NICHT ZU KNAPP.DIE JAHRESZAHLEN FÜR DIE LAUFZEITEN DER ATOMKRAFTWERKE GELTEN
FÜR DEN FALL, DASS ERSTENS JEDER REAKTOR DIE IHM ZUGESTANDENE RESTSTROMMENGE SELBST
PRODUZIERT (SIE ALSO NICHT AN EINE NEUERE ANLAGE ÜBERTRÄGT) UND ZWEITENS DIE AUSLASTUNG
DER ANLAGEN DEN WERTEN DER VERGANGENHEIT ENTSPRICHT.
BRUNSBÜTTEL 1 Betrieb bis ca. 2019
SKANDALE: Wegen verschiedener Pannen und Mängel ist der Reaktor insgesamt sechseinhalb Jahre außer Betrieb. 1978: Durch ein Leck entweichen zwei Tonnen radioaktiver Dampf. Der Reaktor läuft noch fast drei Stunden weiter, obwohl er innerhalb von fünf Minuten automatisch hätte abschalten müssen. 1989: Bei einer Prüfung werden Risse an Rohren des Kühlsystems entdeckt. KRÜMMEL Betrieb bis ca. 2019
1988: Die Kupplungen der vier Notspeise-Dieselmotoren weisen verschiedene Mängel auf. 1993: Weil aus einem Reinigungssystem Schwefelsäure in den sekundären Kühlkreislauf fließt, muss die Anlage abgeschaltet werden. 1995: Es werden 25 undichte Brennelemente entdeckt. STADE Betrieb bis ca. 2005
Erhebliche Sicherheitsmängel, u.a. Versprödung des Druckbehälters und zu dünne Betonhülle. 1988: Ein Defekt in der Elektronik führt zur Schnellabschaltung einer Turbine. Dabei treten kritische Schwingungen einer Dampfleitung auf. 1991: Wiederholt lecken Sicherheitsventile im Kühlwasserprimärkreislauf. UNTERWESER Betrieb bis ca. 2013
SKANDALE: NOCH BIS 2005 DÜRFEN DIE ATOMKONZERNE VERBRAUCHTE BRENNSTÄBE ZUR WIEDERAUFARBEITUNG NACH LA HAGUE UND SELLAFIELD SCHICKEN. GROHNDE Betrieb bis ca. 2019
1985: Das Hochdruck-Notkühlsystem ist nicht einsatzfähig, weil eine der vier Pumpen Gas statt Wasser enthält. Ein Leck im Primärkühlkreislauf hätte somit zur Kernschmelze führen können. 1990: Während der Revision werden 18 beschädigte Zentrierstifte entdeckt. Die Stifte sollen verhindern, dass sich Brennelemente verschieben; dies würde die Reaktorsteuerung beeinträchtigen. LINGEN Betrieb bis ca. 2022
1988: Irregeleitet durch eine fehlerhafte Beschriftung zieht ein Prüfer einen falschen Stecker und öffnet so ein Abblaseventil am Druckhalter im zentralen Kühlkreislauf. Wäre die Panne nicht bemerkt worden, hätte Kühlmittel austreten können. GRAFENRHEINFELD Betrieb bis ca. 2016
2000: Ein Brand beschädigt den Motor einer Hauptkühlmittelpumpe. B I B L I S A Betrieb bis ca. 2009
1987: Ein Ventil im Primärkreislauf klemmt und bleibt offen. Als der Fehler nach 15 Stunden auffällt, öffnet die Crew ein zweites Ventil, um das erste durchzuspülen, statt den Reaktor sofort abzuschalten. Bei dem gefährlichsten Störfall der 80er Jahre treten 107 Liter radioaktives Kühlwasser aus. 1991: Die Aufsichtsbehörde fordert 55 Nachrüstungen, erfolgt sind bislang nur wenige davon. BIBLIS B Betrieb bis ca. 2011
OBRIGHEIM Betrieb bis ca. 2003
SKANDALE: Trotz etlicher Nachrüstungen gravierende Sicherheitsmängel, so Versprödung des Reaktordruckbehälters und keln ausreichender Schutz gegen Flugzeugabsturz. Als einziger Druckwasserreaktor in Deutschland verfügt Obrigheim nur über zwei Kühlstränge im Primärkreislauf, was Kühlmittellecks schwer beherrschbar macht.AN FAST ALLEN STANDORTEN SOLLEN RIESIGE HALLEN ALS ZWISCHENLAGER ENTSTEHEN. PHILIPPSBURG 1 Betrieb bis ca. 2015
1980: Kurz nach der Inbetriebnahme müssen etliche Rohrleitungen ausgetauscht werden. 1983: Wegen Lecks in etwa 20 Brennelementen gelangt radioaktives Jod-131 in die Umwelt. 1992: Nach einer Schnellabschaltung versagt ein Frischdampf-Isolationsventil. 1996: 17 der 145 Steuerstabantriebe erweisen sich als nicht einsatzfähig, weil falsche Relais eingebaut worden sind. PHILIPPSBURG 2 Betrieb bis ca. 2019
SKANDALE: NECKARWESTHEIM 1 Betrieb bis ca. 2010
SKANDALE: Diverse Werkstoffprobleme bei Brennelement-Zentrierstiften und den Schrauben der Kernumfassung.1992: Das Reaktorschutzsystem fällt für eine halbe Stunde aus, weil Hochspannungssignale in die Kabel eingespeist wurden. 1996: Die Schmierölversorgung bei zwei der vier Notspeisepumpen funktioniert mangelhaft. NECKARWESTHEIM 2 Betrieb bis ca. 2023
1994: Es wird entdeckt, dass an drei der acht Druckspeicher im Notkühlsystem Messleitungen falsch montiert sind. LAGER OHNE ENDE BEIM THEMA ATOMMÜLL SPIELT DIE BUNDESREGIERUNG AUF ZEIT. Diesmal will der Bundesumweltminister "erst prüfen, dann buddeln", ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle nämlich. Im Auftrag von Jürgen Trittin soll eine Expertenkommission einen Katalog von Kriterien erstellen, die eine angehende Atommüllkippe erfüllen müsste. Erst dann wollen die Experten nach einer passenden Gesteinsformation fahnden und nicht wieder, wie seinerzeit im Fall Gorleben geschehen, erst einen Standort aussuchen und dann prüfen, ob dieser geeignet ist. Das klingt vernünftig, wären da nicht ein paar Haken: Zum Beispiel sieht der rot-grüne Atomkonsens vor, den Schacht Konrad bei Salzgitter als Endlager für schwach und mittelradioaktiven Müll zu genehmigen ohne die Kriterien abzuwarten. Die Eignung des Schachtes als Strahlenmüllkippe ist allerdings nicht minder strittig als die des Salzstocks von Gorleben-Da wird mit zweierlei Maß gemessen", kritisiert Susanne Ochse, Atomexpertin bei Greenpeace, "so macht die Bundesregierung sich unglaubwürdig." Vage wie der gesamte Atomkonsens sind die Konzepte von Regierung und Stromkonzemen in der Entsorgungsfrage. "Der Pfusch geht weiter", lautet das Fazit von Susanne Ochse. So haben die Parteien vereinbart, die weitere Erkundung von Gorleben für mindestens drei Jahre auszusetzen; rätselhaft bleibt, warum das Moratorium auf längstens zehn Jahre befristet wurde: Diese Zeit dürfte kaum ausreichen, Alternativen gründlich zu erforschen. Zugleich heißt es in einer Anlage zur Konsensvereinbarung, die "bisher gewonnenen geologischen Befunde stehen einer Eignungshöffigkeit des Salzstockes Gorleben (im Klartext: der möglichen Eignung) nicht entgegen". Offensichtlich will die Regierung den Standort Gorleben nicht wirklich aufgeben, sondern abwarten, bis sich die Gemüter beruhigen. Kein Wunder, dass die Menschen im Wendland in der rot-grünen Regierung ihren neuen Gegner sehen: "Wir werden handeln wie zu Merkels Zeiten", kündigt Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg an. Die Stromkonzerne wiederum können sich Zeit lassen mit der Inbetriebnahme eines Endlagers: Die Konsensvereinbarung erlaubt ihnen, noch bis zum 30. Juni 2 oo5 verbrauchte Brennstäbe zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich und Großbritannien zu schicken. Und nach diesem Stichtag dürfen die Anlagen von La Hague und Sellafield den angelieferten Strahlenmüll in Ruhe aufarbeiten, bis zum letzten Brennelement. Damit es nach 2005 nicht allzu eng wird in den Abklingbecken (und um CastorTransporte nach Gorleben samt Blockaden und teurem Polizeieinsatz zu vermeiden), sollen an allen deutschen Atomkraftwerken Zwischenlager entstehen, mit Ausnahme von Obrigheim, wo schon letztes Jahr ein üppig bemessenes Abklingbecken fertig gestellt wurde. Auch für die geplanten Lager scheint zu gelten: je größer, desto besser. Denn nach den Genehmigungsanträgen sollen diese Müllhallen beeindruckende Dimensionen annehmen: Das Atomkraftwerk Lingen im Emsland etwa will Platz für 130 Castor-Behälter schaffen, das Akw Krümmel gar für i5o. So viel Lagerkapazität reicht aus, errechnete Greenpeace, die beiden Reaktoren 47 respektive 6o Jahre weiter zu betreiben. Ein erstaunliches Resultat, sollten die Anlagen nach dem Ausstiegsbeschluss doch eigentlich innerhalb der nächsten 20 oder 30 Jahre für immer vom Netz gehen. "Was man hat, das hat man", kommentiert Atomexpertin Ochse trocken. Greenpeace hält es für unnötig, zusätzliche Zwischenlager zu bauen:" Damit schiebt man das Atommüllproblem nur auf die lange Bank." Vielmehr müsse ein Atomkraftwerk spätestens dann vom Netz gehen, wenn die zugehörigen Abklingbecken voll seien. Schon formiert sich Widerstand gegen den Bau der Lagerhallen, nicht nur von Atomkraftgegnern. Bei Neckarwestheim und Philippsburg (Baden-Württemberg) gründeten sich Bürgerinitiativen, deren Mitglieder keineswegs alle den Reaktor in ihrer Nachbarschaft abschalten wollen; in Bayern protestiert die CSU: Sie will keine Zwischenlager bauen, sondern den Atommüll lieber nach Gorleben schicken und genießen, wie sich die rot-grüne Bundesregierung mit den Castor-Transporten herumärgert. Noch 19 Reaktoren produzieren in Deutschland Atomstrom. Mehr als die Hälfte von ihnen strahlt in Bayern und Baden-Württemberg.Wenn Sie auf das Bild klicken wird Ihnen dies in Orginalgröße (47 KB) angezeigt. DAS AKW ALS SPARSCHWEIN RÜCKSTELLUNGEN SIND EIN ANREIZ FÜR DEN WEITERBETRIEB DER ANLAGEN. Bis die deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet sind, werden viele Jahre vergehen - für ihren Abriss bezahlt haben die Stromkunden längst. Pro Kilowattstunde Atomstrom knöpfen die Energieversorger dem Verbraucher mehr als drei Pfennig für ihre Entsorgungsrückstellungen ab. Der Abriss eines Kernkraftwerks und die Entsorgung des Atommülls sind teuer; so wird der Abriss des 1995 abgeschalteten Reaktors in Würgassen über eine Milliarde Mark verschlingen. Deshalb dürfen die Stromkonzerne für diese erst in Zukunft anfallenden Kosten schon jetzt Geld auf die Seite legen - steuerfrei. Bis heute kamen rund 70 Milliarden Mark zusammen. Allein der Stromriese RWE hat seit 1975 rund 20 Milliarden Mark Rückstellungen angehäuft. Dieses Geld wird jedoch nicht, wie beispielsweise in der Schweiz, von einem unabhängigen Fonds verwaltet. Stattdessen bleibt es in der Obhut des Unternehmens, das frei darüber verfügen darf. Das RWE verdiente durch Anlage seiner Rückstellungen -einen eher moderaten Zinssatz von fünf Prozent angenommen über die Jahre sieben Milliarden Mark. Diese hausinterne "Sparkasse" nutzen Stromkonzerne wie RWE, PreussenElektra (jetzt e-on) und Energie Baden-Württemberg (EnBW) seit der Öffnung des Strommarktes, um durch Dumpingpreise Konkurrenten vom Markt zu drängen. Ohne das Kapital aus den Rückstellungen könnte etwa die EnBW-Tochter Yello kaum mit Billigstrom auf Kundenfang gehen. Das Nachsehen haben Anbieter von erneuerbaren Energien und Strom aus Kraft Wärme-Kopplung, die nicht auf einem steuerlich begünstigten Finanzpolster sitzen. Vielfach scheinen die üppigen Zinseinnahmen das Hauptmotiv zu sein, einen ansonsten defizitären Reaktor weiter zu betreiben. Nach Berechnungen des Wuppertal Instituts wären zehn der ig deutschen Atomkraftwerke ohne das lukrative Nebengeschäft mit den Rückstellungen unwirtschaftlich. Das Steuerentlastungsgesetz von 1999 hat zwar den Umfang der Rücklagen reduziert, empfindliche Einbußen müssen die Atomkonzerne jedoch nicht befürchten. Und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern, sicherte doch die Bundesregierung den Stromkonzernen im Konsenspapier zu, die Atomenergie mit keinen weiteren steuerlichen Maßnahmen einseitig zu belasten. VEIT BÜRGERGUNDREMMINGEN B 1 Betrieb bis ca. 2018
Immer wieder treten - wie auch in Block C - Probleme mit den Sicherheitsund Entlastungsventilen auf. GUNDREMMINGEN C Betrieb bis ca. 2020
SKANDALE: ISAR 1 Betrieb bis ca. 2014
1981: Etliche Rohrleitungen müssen ausgetauscht werden. 1989: Der Teleskoparm der Brennelemente-Wechselmaschine versagt und beschädigt ein Kugellager. 69 Kugeln fallen in den Reaktordruckbehälter, nur 60 werden gefunden. 1991: Vier Umwälzpumpen im Kühlwasserkreislauf fallen aus, es kommt zu unvorhergesehenen Schwankungen der Reaktorleistung. ISAR 2 Betrieb bis ca. 2023
1999: An einem Notstromgenerator tritt eine Störung auf. |
Bearbeitet am: 06.09.2000/ad