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vom 03.11.2001

»Aber im Recht sind wir»

BSGler: »Ein komisches Volk» hier

by Lüchow. Zwei Duschen für 100 Leute - unter diesen Bedingungen waren viele Polizeibeamte beim Castor-Transport im März untergebracht. Jetzt soll es besser werden, sollen nur noch zehn Leute sich eine Dusche teilen müssen.

Verschließbare Spinde mit Kleiderbügeln gibt es, neue Matratzen auch, die Container - jetzt nur noch mit drei Mann belegt -, werden auch nicht mehr in die Höhe gestapelt, Schlafsäcke sind aber mitzubringen.

Diese Neuigkeiten überbringen Stephan Münch und Armin Reinhold den BGSlern aus Blumberg bei Berlin, die die Seerauer Brücke bewachen. Für solche Informationen sind die Konfliktmanager gut, ansonsten halten die jungen Männer im Bulli ihre rotbejackten Kollegen für »Laberheinis», die gegen dies »komische Volk hier» nichts ausrichten können und im Ernstfall den Einsatzkräften im Wege sind. Bei ihrem Einsatz im März haben sie Münchs und Reinholds Kollegen nur aus der Ferne gesehen. »Viel zu tun hatten die nicht», erinnern sich die BGS-ler. Denn da, wo sie waren, »war nicht mehr viel mit Verhandeln». Münch und Reinhold schulterzuckend dazu: »Irgendwo gibt es einen Punkt, wo unser Einsatz überflüssig ist.»

Die vier im BGS-Bulli sind sich sicher: Mit Schönreden kommt man nicht weiter, »die hier wollen die Gleise besetzen» sagt einer. Und fast noch schlimmer: »Die fangen dann noch an zu diskutieren, wollen Auskünfte haben, rechtlich belehrt werden. Und wenn man sie dann endlich heute von der Schiene hat, sind sie morgen wieder da.» Er komme sich im Castor-Einsatz vor wie ein Aussätziger, sagt einer. Die Leute reagierten schon, wenn sie bloß eine grüne Uniform sähen, nicht mal Geld habe er in Ruhe holen können, sondern sich ein ironisches »Schön, dass ihr hier seid» anhören müssen. Ihre Feststellung nach solche Erfahrungen:»Die nehmen das hier alles so persönlich». Atommüll vor der eigenen Haustür hätten sie auch nicht so gerne, »aber er ist nun mal da, ich kann es nicht ändern». Außerdem lebten die Demonstranten nicht nur bei Kerzenlicht, sondern nutzten auch den Strom aus der Steckdose.

Dass hier im Wendland, anders als bei ihren Einsätzen in Berlin, nicht nur junge Menschen, sondern auch viele Ältere demonstrieren, ist ihnen aufgefallen. »Aber im Recht sind wir», betont einer, der sich von diesem eher ungewohnten Demonstrationsklientel nicht irritieren lassen will. Allerdings, einfacher ist es mit den Älteren schon, weil man mit ihnen »anders reden» kann.

Weder vor diesem, noch vorm letzten Transport war einer der Konflikmanager bei der Blumberger Einheit, um sie vorzubereiten. Überall konnte man noch nicht sein, entschuldigen Münch und Reinhold. Nun setzen die beiden vor Ort auf Vermittlung. »Wir haben ja auch Kontakt zum Gegenüber, können sagen, wie die Stimmung ist». Die interessiert die vier im Bulli dann doch, und auch, welchen Ruf sich Berliner Einheiten im Laufe der Einsatzjahre im Wendland erworben haben, wollen sie wissen. »Schwarz vermummt, nur die Augen frei, und wenn die Presse nicht hinguckt, gibt es was auf die Nase» berichtet ihnen Armin Reinhold. Und Stephan Münch ergänzt, dass viele in der Bevölkerung auch Mitleid mit den Polizisten hätten, es gebe eben solche und solche, »die einen, die grüßen, die anderen, die uns für Besatzer halten».

Bearbeitet am: 03.11.2001/ad


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