K.o.-Kriterien mit Geld nicht aufzuwiegen
Zum Leserbrief »Verspielt die CDU Gorleben?» von Uwe Leitner, Lüchow (EJZ vom 10. Januar)
Uwe Leitners Ausführungen lassen nur den Schluss zu, dass er im ideologischen Nebel der 1980er-Jahre steckengeblieben ist und beharrlich darin umherirrt. Er wird mir nachsehen, dass ich seinem Irrweg nicht folge und auf weitere Ausführungen dazu verzichte.
In der Sache selbst geht es ihm nicht um die »ergebnisoffene» und bundesweite Suche eines atomaren Endlagers, und zwar nach zuvor festgelegten geologischen und sicherheitstechnischen Erfordernissen. Ihm geht es auch nicht um die sichere und jederzeit rückholbare Einlagerung des Atommülls. Herrn Leitner geht es letzten Endes nur darum, für das Einbuddeln des Atommülls im Gorlebener Salz möglichst viel Geld für Gorleben zu bekommen.
Diese Sicht auf die objektiven Erfordernisse der sicheren Einlagerung von Atommüll ist genauso unverantwortlich, wie die ausschließlich politisch motivierte Festlegung auf Gorleben in den frühen 1980er-Jahren. Aus jener Zeit stammen die Gorlebener Tiefenbohrungen 5001 und 5002 der Physikalisch- Technischen Bundesanstalt (PTB). Die Befunde liegen vor. Mit diesen sollte Herr Leitner sich befassen. Die PTB hat die auffällige Gasproblematik damals zwar ausgeklammert, das Problem mit dem Wasser jedoch deutlich thematisiert. Folgerichtig hat die PTB seinerzeit gefordert, andere Standorte als Gorleben zu untersuchen.
Diese sachlich begründete Notwendigkeit ist aus rein politischen Erwägungen (Nähe Gorlebens zur innerdeutschen Grenze) verworfen worden. Erst jetzt, am 11. Januar 2012, teilt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mit, dass bei einer Bohrung im Erkundungsbereich I in Gorleben ähnliche und für ein atomares Endlager verheerende Verhältnisse angetroffen wurden, wie in den 1980er-Jahren: Dieselgeruch und Gas. Dass dies nun von Röttgen und dem BfS heruntergespielt wird, ist nicht verwunderlich. BfS-Sprecher Florian Emrich hat diesen Befund am 11. Januar 2012 gegenüber Radio FFN dennoch bestätigt.
Diese K.o.-Kriterien für ein atomares Endlager sind auch mit Geld und Gold nicht aufzuwiegen! Wer dennoch Geld gegen Sicherheit fordert, ist verblendet und leidet offenbar in dieser Hinsicht an nahezu vollständigem Realitätsverlust.
Zustimmen muss ich Herrn Leitner dennoch in einer anderen Sache: Einige Blockaden hätten während des Castor-Transportes besser gekennzeichnet werden müssen. Zustimmen werde ich ihm aber nicht in der Hinsicht, dass Schüler auf ihrer Demo gegen den Castor »beeinflusst» werden. Beeinflusst werden die Schüler, die zu einer Jugend gehören, die sich durchaus engagiert und sich nicht verblenden lässt, nur beim Einkaufen. Nämlich, wenn sie in Lüchow beim Lebensmittelladen ganz in der Nähe des Busbahnhofes keine Eier und Tomaten kaufen dürfen und dies durch Polizisten, die dort an der Kasse stehen, geprüft wird. Warum dürfen Schüler keinen Kuchen backen? Oder sind die alle gegen Tomaten allergisch?