Leserbrief der
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vom 15.11.2004
Betrifft: Bilanz nach CastorTransport (EJZ vom 10. November)
| Zuerst habe ich es im Autoradio gehört, aber da ist es so schnell
vorbei, unverhofft, und man kann sich ja auch mal verhört haben. Nun steht es in der
Zeitung: Die Herren Schünemann und Niehörster sind der Meinung, dass der
Castor-Transport ohne große Probleme abgewickelt worden, die Durchfahrt glatt gewesen
sei. Wie meinen sie das? Wahrscheinlich, dass das Überfahren des jungen Mannes in Frankreich sie nichts angeht und sie auch nicht betrifft oder betroffen gemacht hat. Aber offensichtlich verhält es sich auch so mit dem Polizisten aus den eigenen Reihen, der sich in Dannenberg erschossen hat. Ich stelle mit vor, an meiner Arbeitsstelle würde sich ein Kollege erschießen, kein besonderes Vorkommnis? Der Zug fährt buchstäblich und tatsächlich über Leichen;' kein besonderes Vorkommnis während des Transport? Dagegen sind die Technischen Pannen eines kaputten Motors und zweier defekter Bremsen auf den wenigen Kilometern von Dannenberg nach Gorleben nun wirklich nur Peanuts. Was war mit der Überprüfung. der Fahrzeuge vor einem so brisanten Transport? Auch dies total normal? Total normal ist es bei der Durchführung eines CastorTransports sowieso, im Schutze der Dunkelheit, abseits der Presse und mit vereinter Kraft Menschen zu prügeln bis zu klaffenden Platzwunden, bei Temperaturen um den Minusgrad Wasserwerfer einzusetzen. In einem Land, das Terroristen, Mörder, Kannibalen und Kinderschänder auf Samthandschuhen durch sämtliche Instanzenträgt, werden regelmäßig die Rechte auf körperliche Unversehrtheit und Schutz des Eigentums außer Kraft gesetzt. Das Wendland, einmal im Jahr Wildwestromantik, wo es dann auch schon mal vorkommen kann, dass die Pistole gezeigt wird? Was wäre für die beiden hohen Herren denn ein Problem während des Castor-Transports? Wenn statt des Demonstranten Sébastien eine Bombe auf den Schienen gelegen hätte, oder hätte dann der Zug noch stoppen können? Zwei Menschen tot, die "Besonderheit" der diesjährigen "Durchführung". Mich macht das sehr betroffen, es sind keine normalen Tode. Der Kanzler, der noch dereinst sagte, "man dürfe dies nicht stören", sagt gar nichts. Und die Industrie, deren Müll hierher gebracht wird auf Kosten des Steuerzahlers, erzielt fette Gewinne und erhöht fleißig ihre Preise. Aber das ist noch alles nicht das Schlimmste, sondern das, was durch diesen Müll unseren Nachkommen noch blüht. Die Herren, die die Verantwortung auf sich genommen haben, werden die Auswirkungen anderen überlassen ! Eva Schubring, Lüchow |
Bearbeitet am: 15.11.2004/ad