Leserbrief der

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vom  12.11.2004

Ein Klima des Misstrauens

Betrifft: Polizei im CastorEinsatz

Wie darf man sie eigentlich bezeichnen: Geheimpolizei, geheime Staatspolizei (Gestapo), Staatssicherheit (Stasi)?

Im Amtsdeutsch heißen sie wohl "verdeckte Ermittler", vorgesehen zum Einsatz gegen die nationale und internationale Mafia, gegen Drogen- und Menschenhändler und ähnliche Schwerstkriminelle, und missbraucht für das Ausspitzeln des Widerstandes gegen das Lagern und Vergraben von ungeheueren Mengen von hochradioaktivern Strahlungsschrott im Wendland. Da fahren sie im Auto im Räuberzivil herum, mit austauschbaren Nummernschildern, Tag und Nacht, bis in die abgelegensten Ecken im weiten Umfeld der Castor-Strecke; sie notieren Auto- und Treckernummern und glotzen in die Fenster der Häuser mit dem Widerstands-X; aber besonders verdächtig sind die ohne X: Denn da wohnen die verdeckten Widerständler!

Und sie lügen dich schamlos an. Oft geben sie sich als Journalisten aus, um ihre penetrante Neugier zu begründen; oder sie biedern sich an: als Motorradbraut oder als besonders radikaler Aktivist. Und denunzieren ihre neugewonnenen Freunde im null Komma nix.

Sie schüren wie zu Stasizeiten ein Klima des gegenseitigen Misstrauens nun auch bei uns, bei denen Vertrauen und Ehrlichkeit untereinander täglich, aber gerade auch im Widerstand einen hohen Stellenwert haben. Und wenn die Uniformierten diese Verdeckten irgendwo im Wald oder an der Strecke aufgreifen, flüstern sie ein KennWort, damit sie nicht geprügelt, gekesselt oder eingesperrt werden: Kennwort, seit 2000 Jahren: "Judas". Wie sagt mein Nachbar Heinrich zu den Praktiken dieser Schergen der Atomindustrie (Verzeihung: des Staates) kurz und bündig? "Pfui Teufel!" Ihr Kennwort haben aber kürzlich die Metzinger nicht akzeptiert und zwei auf Privatgrund enttarnte Verdeckte der Polizei übergeben, um die wahren Namen derer zu erfahren, die sie in den vorigen Tagen bespitzelt haben.

Silviana und Andreas vom Bundesgrenzschutz , Rostock war das dann mehr als peinlich und erhöht vielleicht ihr und ihrer Vorgesetzten Denkvermögen. Allerdings: Ihre Fotos mit vollem Namen, wenn auch nur vorübergehend, ins Internet zu stellen, widerspricht völlig meiner Vorstellung von der Achtung der Würde auch dieser beiden, im wahrsten Sinne des Wortes fehlgeleiteten Menschen.

Dr. Rolf Wilhelms, Göhrde

Bearbeitet am: 12.11.2004/ad


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